Erstes asiatisches Lavazza Flaggschiffgeschäft in Shanghai

Das Geschäft muss weitergehen! Lavazza hat am 29. April 2020 seinen ersten asiatischen Flagship-Store in Shanghai eröffnet. Das Design mit hohen Decken, künstlerischen Wandgemälden und Marmorausstattung bietet Kunden ein umfassendes italienisches Café-Erlebnis. Auffällige Elemente sind Lavazzas legendärer Moka Carmencita-Kaffeezubereiter und eine Elektra Belle Epoque-Espressomaschine in limitierter Auflage. Lavazza sieht ein großes ungenutztes Potenzial im chinesischen Kaffeemarkt. Gemeinsam mit der Yum Gruppe hat sich die italienische Traditionsmarke vorgenommen, dieses Kaffee um Kaffee zu erschließen. at

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Was bedeutet das Coronavirus für die Marketingaktivitäten der Unternehmen?

Schulen werden geschlossen, Freizeitaktivitäten werden auf ein Minimum eingeschränkt und die arbeitende Bevölkerung wird aufgerufen, von daheim zu arbeiten – die Welt spielt verrückt und der Grund hierfür ist das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Doch was bedeutet das für Unternehmen?

China kämpft bereits seit Ende Januar mit den Auswirkungen der Epidemie, weshalb sich Unternehmen mit der Situation schon länger beschäftigen und kreative Marketingmaßnahmen entwickelten. Firmen aus anderen Ländern haben jetzt die Chance, von ihnen zu lernen. Gemeinsam mit Andreas Tank, führender Chinaexperte, werfen wir einen Blick darauf, wie Unternehmen in China, aber auch Spielwarenunternehmen weltweit mit der Ausnahmesituation umgehen, und wie die Spielwarenbranche daraus lernen kann.

Die Bevölkerung bleibt zuhause

Im Kampf gegen Covid-19 werden drastische Maßnahmen von den Regierungen beschlossen und der Bevölkerung wird es nahegelegen sich soweit es geht zu isolieren. Was heißt das für unsere Gesellschaft? Anstatt zur Arbeit oder zu Schule zu gehen und mit Freunden Restaurants oder Veranstaltungen zu besuchen versteckt man sich in seinen sicheren vier Wänden. Und das bedeutet zum einen viel Zeit für die Familie oder den Partner, und zum anderen für digitale Aktivitäten wie Online Shopping, Social Media, und Co..

Der Online Handel boomt

Bereits vor der Virusepidemie entfielen 36 % der Einzelhandelsumsätze in China auf den Onlinehandel, womit China der weltgrößte Markt für E-Commerce ist. Mit dem Ausbruch des Coronavirus wurde der Onlinehandel zum Rückgrat der Versorgung, da sich das Kaufverhalten der Konsumenten schlagartig änderte. Die Kurierdienste sind somit – neben dem medizinischen Personal und den öffentlichen Bediensteten, die beispielsweise durchgängig den Nahverkehr oder die Müllentsorgung aufrechterhalten – die Aorta der Krise. Um den Kunden zu zeigen, dass auch bei der Lieferung auf höchste Sicherheit geachtet wird, erhalten Konsumenten eine Bestätigung, dass das Ergebnis des Fiebertest des Fahrers negativ ist. Im Epizentrum, der Stadt Wuhan, testete Chinas zweitgrößte Onlineplattform JD sogar Roboter und Drohnen für die letzte Liefermeile zum Kunden.

20200330_Werbung_Aldi„Stay where you are! We deliver to you!“ war somit das Motto vieler Unternehmen in China, auch von kleineren Plattformen. Vor allem Firmen der Lebensmittelbranche boten einen Lieferservice an wie z. B. Godiva, Costa Coffee oder der Weinhändler Cheers. Auch Aldi China ermutigte die Bevölkerung zum Valentinstag daheim zu bleiben und selbst zu kochen: „Romance, handpicked for home“. Auch in Deutschland betreiben viele Spielwarenhersteller und große Händler bereits einen Onlineshop, auf den sie in ihren Marketingmaßnahmen explizit  hinweisen, um diesen Service hervorheben zu können. Aber auch lokale Spielwarenhändler, die auf ihrer Webseite keinen Onlinestore integriert haben, können ihren Kunden anbieten, Bestellungen per Mail oder Telefon aufzunehmen und diese auszuliefern.

20200330_Werbung_SteiffChinas bedeutendste Internet-Shoppingplattform ist Tmall, hinter der die Alibaba-Gruppe steht. Wer im chinesischen Onlinehandel eine Rolle spielen will, eröffnet hier einen Store. Wie beispielsweise das Traditionsunternehmen Steiff, das  im Februar seinen Tmall Flagship Store launchte und somit nicht nur kurzfristig Corona-gerüstet ist, sondern sich auch langfristig hierdurch einen wichtigen Zugang zum chinesischen Markt erschlossen hat.

Marken erhöhen ihre Online Aktivitäten

Die Einschränkung der Freizeitaktivitäten führte unter anderem zur Schließung der Kinosäle. Ein Schock für die Filmindustrie und die Lizenzbranche die in der Spielwarenindustrie eine zentrale Rolle spielt. Doch in China feierten neue Filme trotzdem eine erfolgreiche Premiere, nur eben online. Auch Universal zeigt in der USA und anderen Teilen der Welt die bereits angelaufenen und in Kürze startenden Filme per Stream. Die Kinos selbst fangen ebenfalls an zu reagieren. Beispielsweise bietet die Yorck-Kinogruppe in Berlin ihren Dauerkarten-Besitzern einen kostenlosen Zugang zu dem Streamingdienst Mubi an.

Auch andere Branchen steigern ihre Onlineaktivitäten vor allem in den sozialen Medien. In China setzen Unternehmen vor allem auf den Kanal WeChat. Porsche macht auf dieser Plattform auf seine neue digitale Verkaufsberatung mitsamt Online-Konfigurator aufmerksam und die Modegruppe Bestseller setzt neuerdings verstärkt auf WeChat Mini-Programme. Bestseller setzte zudem Anreize für Mitarbeiter, um als Online-Vertriebspersonal aktiv zu werden und gleichzeitig auf digitale Marketinginstrumente wie Blitzverkäufe und Gewinnspiele. Ein neuer Ansatz, der auch langfristig zum Geschäftserfolg beitragen wird. Firmen anderer Nationen können ebenfalls auf Social Shopping setzen, um Umsatzeinbußen zu minimieren und neue Verkaufskanäle zu erobern. Viele Plattformen bieten die Shopping Funktionen bereits an wie Instagram, Facebook, Pinterest, TikTok und Co.

Nicht nur für den Verkauf von Produkten spielen die sozialen Netzwerke eine wichtige Rolle. Egal ob kleine oder große Händler, hier besteht die Möglichkeit kontinuierlich mit dem Kunden in Kontakt zu bleiben, sie zu binden und zu unterhalten. Via Feeds oder Stories kann die Bevölkerung auf dem Laufenden gehalten werden rund um das Geschäft bzgl. voraussichtlicher Öffnungszeiten aber auch in Sachen neuer Sortimente.

Marken als Ideengeber in Zeiten der Isolierung

Zeit daheim ist zwar schön, dennoch fällt einem irgendwann die Decke auf den Kopf. Und den ganzen Tag vor dem Fernseher oder dem Handy zu sitzen, ist auf Dauer auch langweilig. Genau zu diesem Zeitpunkt können sich Marken profilieren, denn Kunden suchen nach neuen Ideen und Abwechslung. Ikea gibt in China beispielsweise Tipps für den Tagesablauf im Heimbüro bis hin zum Spielen und Backen mit dem Kind. Dabei verweist das Unternehmenauf die passenden Produkte aus ihrem Katalog. Warum also nicht die Familie ermutigen, mal wieder ein neues Spiel auszuprobieren? Und dabei selbst die Teenager wieder zu einem Spieleabend bewegen?

Wie das funktioniert zeigt auch die Plattform „Quarantäne Kids“. Zwei Schwestern nutzten die Gunst der Stunde, um etwas Gutes zu tun. Die Spiel- und Lerndesignerinnen wollten Familien Spielideen geben, um der Langeweile der Kinder entgegen zu wirken. Die einfachste Variante die Bastelideen bereit zu stellen, war für die Gründerinnen, sie per Blog hochzuladen. Um die Bekanntheit des Blogs zu erhöhen, richteten sie zudem einen Instagram Kanal ein. Der Launch war ein voller Erfolg, denn nicht nur die Klickzahlen auf der Webseite sprachen für sich, auch die Follower Zahlen bewegten sich nach nur wenigen Stunden im 4-stelligen Bereich. Die Schwestern waren von dem Erfolg überrascht und die Kunden für die Spiel-PDFs unendlich dankbar.

Andere Firmen, wie beispielsweise die NOCH GmbH, versuchen bei ihrern Followern mit einer Challenge zu punkten. NOCH möchte mit der Aktion alle Modellbahn-Liebhaber dazu ermutigen, ihre Anlage zu fotografieren, auf Instagram hochzuladen und mit dem Hashtag #nochworldwide zu teilen. Eine Aktion, die bei der Zielgruppe Aufmerksamkeit erreicht.

Mit Glaubwürdigkeit und Persönlichkeit beim Kunden punkten

Für die Gesellschaft ist es wichtig, dass die Unternehmen auf das Wohlergehen und die Gesundheit der Bevölkerung achtet. Sie möchten in ihren Bedenken ernst genommen werden und erwarten von Firmen gewisse Hygiene und Sicherheitsmaßnahmen. Darum ist es wichtig, das auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Starbucks und Shake Shack geben in China öffentlich die internen Sicherheitsmaßnahmen wie Mundschutz und Fiebermessungen bei Mitarbeitern, Hand- und Oberflächendesinfektion bekannt, um das Vertrauen der Kunden aufrecht zu erhalten. Andere Unternehmen wie der Maschinenbauer Viessmann versichert, dass der Technische Kundendienst auch in den schwierigen Wochen im Einsatz ist und sendet den Kunden Grußbotschaften mit Durchhalteparolen von Niederlassungen rund um den Globus. Auch die geistige Gesundheit ist in Zeiten der Hausisolierung besonders wichtig, nicht zuletzt auch für Kinder, die nicht mehr im Freien toben können. In diesen Zeiten gewinnen beispielsweise Puppen oder Plüschtiere signifikant an Bedeutung, denen sie ihre Gedanken anvertrauen können.

Zusammenhalt und Persönlichkeit ist das A und O. Wünsche wie Gesundheit, Durchhaltevermögen und Kraft senden derzeit sämtliche Unternehmen an die Bevölkerung. Insbesondere auch an kulturellen Feiertagen wie beispielsweise dem chinesischen Laternenfest. Hier sind Andros, Rosenthal, Villeroy & Boch und Zeiss zu nennen. Ebenso demonstrieren sie Solidarität mit Wuhan, bilden die kulinarische Spezialität der Stadt ab oder rufen zu Spendenaktionen auf, um Hilfslieferungen in die stark betroffenen Gebiete zu senden.

Wie geht es weiter?

Die Auswirkungen auf die globale Wirtschaft sind immens und in ihrem Gesamtausmaß kaum abzuschätzen. Die Zentralregierung in China hält unverändert an den Wachstumszielen für 2020 fest, denn das Ende der Krise wird auch starke positive Kräfte freisetzen. Es bleibt auch spannend, wie sich das Konsumverhalten der Bevölkerung dauerhaft verändert. Doch eines steht in China bereits fest: Im Punkt Digitalisierung hat das Land wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Auch Unternehmen in der restlichen Welt sind jetzt gefordert, sich digitaler für ihre Kunden aufzustellen. Die Situation fordert Kreativität, um neue Verkaufs- und Marketingmöglichkeiten zu entdecken, die auch langfristige Erfolge in „normalen“ Zeiten versprechen. Wie immer gilt, dass auch in der schlimmsten Krise eine Chance zu finden ist.

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Wiederbelebung im Lebensmitteleinzelhandel

Das Leben geht weiter. Nach wochenlanger Unterbrechung aufgrund der Virusepidemie starten die ersten Marken wieder verkaufsfördernde Maßnahmen. Zum Beispiel feierte Guinness ein „St Patrick’s Weekend“ in Olé-Supermärkten in Shanghai. Kleeblatt, grüne Kobolde, Harfe – Willkommen in Irland! at

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Pekinger Designerin meistert Virusepidemie mit Stil

Auch in China wird heute der Internationale Frauentag gefeiert. Eine Frau, die sich seit zwei Jahrzehnten im Chinageschäft erfolgreich behauptet hat, ist die in Peking ansässige Designerin Kathrin von Rechenberg. Nach Arbeitsaufenthalten in den Pariser Haute Couture-Ateliers von Dior und Lacroix sowie im Prêt-à-Porter-Atelier von Chanel zog sie im Jahr 2000 nach China und folgte ihrer tiefen Leidenschaft für chinesische Teeseide. Dieses besondere Material ist seitdem der Eckpfeiler ihrer schöpferischen Arbeit. Mit dem gegenwärtigen Ausbruch des Coronavirus, der insbesondere auch für kleine Unternehmen eine wirtschaftliche Bedrohung darstellt, bewies die in München geborene Designerin nicht nur unternehmerische Agilität, indem sie ihre Markenpräsenz und den Online-Shop auf der wichtigen Digitalplattform WeChat verbesserte. Im Herzen Ästhetin dachte sie auch: „Wenn das Tragen von Masken in diesen Wochen schon zur neuen Normalität geworden ist, warum dann nicht zumindest mit Stil!“ Kathrin von Rechenberg hat daher eine spezielle Maske aus Teeseide, Silbergewebe und Seide entworfen, die sich auch perfekt für zukünftige Smogtage eignet, an denen die Feinstaubwerte wieder exorbitante Werte erreichen. Auch in Zeiten der Krise bleibt ihre Marke so relevant und zugleich treu zur Kernpositionierung. Weitere Informationen: https://mp.weixin.qq.com/s/UF1E85GkDF1NePlwvQnAgQ. at

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Pekingoper-Micky Maus zum halben Preis

Für das Jahr der Ratte hat sich auch Gap für eine Kooperation mit Disney entschieden. Daraus ist eine Kollektion entstanden, die zahlreiche klassische chinesische Elemente wie Pekingopermasken, Laternen oder Feuerwerkskörper integriert und mit dem bekanntesten Mäusepaar der Welt – Micky und Minnie – kombiniert. Neben einer großen Auswahl an Kleidungsstücken können sich Konsumenten ihre Denimjeans oder -jacken auch personalisieren. Hierfür gibt es limitierte Maus-, Drachen-, Löwen- oder Rote-Umschläge-Aufnäher. Im Zuge der enttäuschenden Abverkäufe während des diesjährigen Frühlingsfestes aufgrund des Coronavirus-Ausbruchs bietet Gap aktuell einen 50%-igen Rabatt an. at

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Vitamin C für Wuhan

Die Hauptstadt der chinesischen Provinz Hubei, Wuhan, ist am stärksten von dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus COVID-19 betroffen. Lokale Ärzte und medizinisches Personal versuchen seit Wochen mit aller Kraft und bis zur Erschöpfung, die Lage unter Kontrolle zu bringen und zehntausende Infizierte zu behandeln, während sie selbst ihr Leben riskieren. Der deutsche Fruchtsafthersteller Amecke hat über 12.000 Flaschen Orangensaft an zwei Krankenhäuser und ein medizinisches Hilfsteam in Wuhan gespendet. Eine extra Portion Vitamin C und obendrein das stärkende Gefühl, nicht allein oder vergessen worden zu sein. China ist ein wichtiger Absatzmarkt für das sauerländische Unternehmen. Für einen aktiven Marktakteur ist es selbstverständlich, sich auch in Krisenzeiten einzubringen, Herz und Humanität zu zeigen und sich für seine Kunden zu engagieren. at

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Haupteinkaufsstraßen bleiben leer

Die Nanjing-Straße in Shanghai ist eine der weltweit belebtesten Einkaufsstraßen. Nicht so zu Zeiten des Coronavirus COVID-19. Insgesamt ist die Zahl der Neuinfektionen zwar rückläufig und Shanghai konnte bereits viele Tage ohne neue Fälle vermelden. Dennoch: Konsumenten bleiben bislang zuhause. Der Einzelhandel verzeichnet weiterhin massive Umsatzeinbußen. at

Nanjing-Straße in Shanghai: Frühlingsfest 2014 vs. Coronavirus COVID-19

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Coronavirus in China: Wie sich Unternehmen erfolgreich behaupten können

Dokumentierte Fieberkontrollen als vertrauensbildende Maßnahme

Dokumentierte Fieberkontrollen als vertrauensbildende Maßnahme

Was bedeutet der Ausbruch des Coronavirus für die geschäftlichen Aktivitäten der Unternehmen in China, speziell im Bereich Marketing und Werbung? Andreas Tank gilt als einer der führenden Experten zum Thema Marketing in China. Er ist seit 20 Jahren in diesem Bereich aktiv, darunter lange Zeit in führenden Managementpositionen. So brachte er zum Beispiel die Marke Haribo ins Reich der Mitte. Zuvor war er dort für den Heizungsgerätehersteller Viessmann tätig. Heute betreibt er seine eigene Unternehmensberatung und Handelsvertreteung China Competence in Shanghai. Für HORIZONT hat er die aktuelle Situation analysiert.

Wenn 1,4 Milliarden Konsumenten zuhause bleiben

Der Beginn des neuen Jahres wird in China mit dem Frühlingsfest gefeiert. 40 Tage rund um diesen wichtigsten traditionellen Feiertag werden bis zu 3 Milliarden Reisebewegungen verzeichnet – alljährlich als die größte Völkerwanderung der Neuzeit bezeichnet. Aus allen Himmelsrichtungen reisen Chinesen in ihre Heimatstädte, um mit ihren Familien zu feiern. Viele Millionen reisen auch ins Ausland, bevorzugt nach Thailand, Japan oder Singapur.

Doch noch bevor das Jahr der Ratte am 25. Januar begann, kündigte sich bereits an, dass das diesjährige Neujahrsfest durch ein neuartiges Coronavirus beeinträchtigt würde, das bei Ansteckung zu schweren Atemproblemen und Lungenentzündung führen könne. Am 21. Januar schlug die Nachricht wie ein Blitz ein, dass eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nicht auszuschließen ist. Nur wenig später waren weltweit Atemschutzmasken ausverkauft: Staubsaugereffekt China. Am 23. Januar wurde die Provinz Hubei – Heimat von knapp 60 Millionen Menschen – mit ihrer Hauptstadt Wuhan unter Quarantäne gesetzt.

Anstatt jeden Tag ausgelassene Stunden und Mahlzeiten mit Familienmitgliedern und Freuden zu verbringen und durch Fußgängerzonen und Einkaufsmalls zu flanieren, sorgten täglich rapide wachsende Zahlen von Neuinfizierten für Angst und Schrecken, angefeuert von sich wortwörtlich viral verbreitenden apokalyptischen Nachrichten in den einflussreichen sozialen Medien wie WeChat mit seinen 1,15 Milliarden aktiven monatlichen Nutzern. Sämtliche öffentliche Veranstaltungen und traditionellen Tempelfeste wurden abgesagt, Sehenswürdigkeiten, Kinos, Theater oder Vergnügungsparks wie Disneyland Shanghai geschlossen. Das öffentliche Leben wurde landesweit quasi lahmgelegt.

Leere Straßen: geschlossener Flagshipstore von Starbucks in Shanghai

Leere Straßen: geschlossener Flagshipstore von Starbucks in Shanghai

Rund 70 Fluggesellschaften weltweit haben mittlerweile ihre Flüge von und zum chinesischen Festland gestrichen. 50 weitere haben ihren Flugplan gekürzt. Starbucks, McDonald’s und KFC schlossen bis zu 50 Prozent ihrer Läden – bei Starbucks immerhin über 2.000 Cafés. Ein ähnliches Bild zeichnete sich in der Textilindustrie bei Adidas, Gap, Old Navy oder Uniqlo ab. Apple und IKEA stellten bis auf Weiteres den Verkauf in ihren Ladengeschäften komplett ein. Hotelketten folgten und reduzierten die Anzahl ihrer geöffneten Häuser drastisch. Supermärkte und Convenience Stores wie Lawson, 7-11 oder Family Mart blieben mit nahezu gleichbleibendem Angebot hingegen durchgehend geöffnet.

Auf Anweisung der Regierung isolierte sich die Bevölkerung in den eigenen vier Wänden, Wohnviertel und ganze Städte riegelten sich in Eigeninitiative ab, um Ortsfremden den Einlass zu verwehren. Folge: 1,4 Milliarden Konsumenten verharren zuhause. Ausgestattet mit 1,6 Milliarden Mobiltelefonen und 800 Millionen Online-Zugängen.

Boomender Onlinehandel wird zum Rückgrat der Versorgung

Bereits vor der Virusepidemie war China der weltgrößte Markt für Onlinehandel. Rund 36 Prozent der Einzelhandelsumsätze entfielen 2019 auf diesen Kanal. Mit Ausbruch der Epidemie wurde er über Nacht zum Rückgrat der Versorgung. Chinas zweitgrößte Onlineplattform JD veröffentlichte Anfang Februar drastische Verkaufsanstiege und Veränderungen im Konsumverhalten. Im Vorjahresvergleich stiegen die Verkäufe von Frischgemüse um circa 450 Prozent, von Rind- und Geflügelfleisch sowie Eiern um 400 Prozent, von Reis, Milchprodukten und anderen Grundnahrungsmitteln um 154 Prozent.

Dies führte zwangsweise zu Lager- und Lieferengpässen. Ist der chinesische Konsument in den großen Metropolen gewohnt, seine online bestellten Lebensmittel oft innerhalb von nur 30 Minuten in den Händen zu halten, kann die Bereitstellung jetzt einige Tage dauern. Zum einen waren Kurierfahrer selbst im Frühlingsfesturlaub oder sie konnten aufgrund von Transportrestriktionen nicht mehr in ihre Arbeitsstadt zurückkehren, zum anderen übersteigen bis heute die Bestellungen die Kapazitäten, sodass Onlineplattformen aktuell zehntausende neue Stellen schaffen.

Lieber zu Hause bleiben und selbst Kochen: Aktion zum Valentinstag von Aldi China

Lieber zu Hause bleiben und selbst Kochen: Aktion zum Valentinstag von Aldi China

Die Kurierdienste sind – neben dem medizinischen Personal und den öffentlich Bediensteten, die beispielsweise durchgängig den Nahverkehr oder die Müllentsorgung aufrechthalten – die Aorta der Krise. Nicht nur die großen Plattformen setzen auf sie, auch Ketten wie Godiva, Costa Coffee oder der Weinhändler Cheers: „Stay where you are! We deliver to you!“ Vor diesem Hintergrund schlug Aldi China zum Valentinstag ein selbstgekochtes romantisches Abendessen vor: „Enjoy romance, handpicked for home.“ Lindt China hat diesen Helden den diesjährigen Valentinstag gewidmet und über 23.000 Lindor Kugeln an die Kuriere der Alibaba-O2O-Supermarktkette Hema sowie des Lebensmittel-Lieferservices Ele.me verteilt. Ist eine Lieferung unterwegs, erhalten Konsumenten eine Bestätigung, dass die Fieberkontrolle des Fahrers ein negatives Ergebnis hatte. Im Epizentrum, der Stadt Wuhan, testet JD autonome Roboter und Drohnen, um auf der letzten Liefermeile eine zwischenmenschliche Übertragung auszuschließen.

Auch nach Ende des regulären Frühlingsfestes ist keine Normalisierung in Sicht. Zum einen verlängerte die Zentralregierung die Ferien bis zum 2. Februar. Und seitdem ist das weltgrößte Heimbüro-Experiment im Gange. Millionen Menschen arbeiten von zuhause aus und verlassen die Wohnung nur wenn absolut nötig, selbst an Wochenenden. Megametropolen wie Shanghai mit 25 Millionen Einwohnern erwecken den Eindruck von Geisterstädten, Einkaufsmalls bleiben – wenngleich bis auf wenige Ausnahmen die Geschäfte geöffnet sind – menschenleer, Restaurants und Cafés sind weitestgehend geschlossen und dürfen nur noch Auslieferung oder Abholung anbieten. Das Starbucks Flaggschiff, die Reserve Roastery in Shanghai, mit seinen bis zu 8.000 Besuchern pro Tag, hat das Rösten vorübergehend eingestellt.

Marken investieren verstärkt in Onlineaktivitäten

Die Virusepidemie führt zu starken Umsatzeinbußen und hat viele Marktakteure an den Rand des Bankrotts gedrängt. Je stärker der Offlineanteil, umso stärker sind die Auswirkungen. Während der Übergang von Offline zu Online normalerweise schrittweise erfolgt, führen Agilität und Zwang, schnell neue digitale und skalierbare Wege einzuschlagen, zum geschäftsrettenden Wendepunkt. Bestseller, eine von Chinas größten Modegruppen mit über 7.000 Einzelhandelsläden, zu der Marken wie Jack & Jones und Vero Moda zählen, setzte neuerdings verstärkt auf WeChat Mini-Programme. Vom 1. bis zum 5. Februar wurden hier dreimal mehr Umsätze erzielt als in den Ladengeschäften.

Bestseller überzeugte seine Mitarbeiter, als Online-Vertriebspersonal aktiv zu werden, und motivierte sie mit einer 10-Prozent-Kommission für die erfolgreichsten 40 Prozent. Zwei Tage nach Ausrollen des neuen Anreizsystems überholten die Onlineverkäufe das Offlinegeschäft. Flankiert wurde dieser Ansatz mit digitalen Marketinginstrumenten wie Blitzverkäufen und Gewinnspielen. Diese Maßnahmen werden die eingefahrenen Verluste zwar nicht wettmachen, aber sie tragen aktuell zur Risikominderung bei und – einmal installiert und krisenerprobt – zum langfristigen Geschäftserfolg.

Lindt bedankt sich bei Kurier- und Lieferdienstfahrern

Lindt bedankt sich bei Kurier- und Lieferdienstfahrern

Beispiele für eine derartige Agilität lassen sich in allen Branchen finden. Porsche hat seine WeChat-Fans jüngst auf seine professionelle digitale Verkaufsberatung mitsamt Online-Konfigurator aufmerksam gemacht, in der Unterhaltungsindustrie feierten Filme aufgrund geschlossener Kinosäle erfolgreiche Onlinepremieren, das Shanghai Symphonieorchester, dessen Vorführungen vorläufig ausgesetzt sind, teilt hausgemachte Musiksequenzen seiner Musiker online, und wem der wöchentliche Gang zur Diskothek fehlt, kann neuerdings über Livestream von zuhause aus mittanzen.

Insgesamt verzeichneten onlinebasierte Video- und -Nachrichtendienste sowie Handyspiele starke Zuwachsraten. Und digitale Plattformen im Gesundheitswesen wie das „JD Internet Krankenhaus“. Dieses richtete bereits am 26. Januar eine kostenlose Corona-Hotline ein, die seitdem täglich von 100.000 Menschen kontaktiert wird. Seit dem 6. Februar sind über 30.000 Ärzte aller Fachgebiete in 32 Provinzen angeschlossen, die rund um die Uhr medizinische Beratung anbieten.

Markenrelevanz in Zeiten der Isolierung

Doch wem fällt nach wenigen Tagen der Isolierung nicht die Decke auf den Kopf? Hier konnten sich Marken bei ihren Fans profilieren. Denn während Erstere neue Wege zur Umsatzgenerierung beschreiten, suchen Letztere nach Abwechslung und Unterhaltung im gleichförmigen täglichen Einerlei, nachdem eine Befriedigung der Grundbedürfnisse sichergestellt ist. IKEA gibt beispielsweise Tipps für den Tagesablauf von Heimbüro über das Spielen und Backen mit dem Kind bis hin zu Aufräumen, Kochen oder Gymnastik und schlägt hierfür die passenden Produkte aus dem IKEA-Katalog vor. Anregungen für die körperliche Fitness kommunizieren Technogym und Snickers.

Auch ist gesunde und sichere Ernährung eines der großen Themen. Konsumenten haben Kochen und Backen wiederentdeckt. Hier profiliert sich unter anderem Thermomix mit Rezeptvorschlägen, hierunter sogar eine selbstgebackene Atemschutzmaske. Und Starbucks und Shake Shack publizieren die vertrauensbildenden intern ergriffenen Sicherheitsvorkehrungen wie Mundschutz und Fiebermessung bei Mitarbeitern, Hand- und Oberflächendesinfektion. Hygienetipps für Privatpersonen gibt es auf der WeChat-Fanseite der Marke Frosch. Maschinenbauer wie Viessmann versichern, dass der Technische Kundendienst auch in diesen Wochen kontinuierlich im Einsatz ist und sendet seinen Kunden Grußbotschaften von Niederlassungen rund um den Globus.

Wünsche wie Gesundheit, Durchhaltevermögen und Kraft sendeten Unternehmen, darunter Andros, Rosenthal, Villeroy & Boch und Zeiss, auch zum chinesischen Laternenfest. Es fällt auf den 15. Tag des neuen Mondjahres und schließt die Feierlichkeiten rund um das chinesische Frühlingsfest ab. Ebenso demonstrieren sie Solidarität mit Wuhan, beispielsweise, indem neben den traditionellen, an diesem Feiertag konsumierten Klebreisbällchen auch das aus Wuhan stammende Lokalgericht „Hot Dry Noodles“ abgebildet wurde, oder indem Spenden und Hilfslieferungen in die stark betroffenen Gebiete gesendet wurden und werden.

Konsequente Bereitschaft zur Disruption

Die Auswirkungen auf die chinesische und globale Wirtschaft sind immens und in ihrem Gesamtausmaß noch kaum abzuschätzen. Gleichwohl wird das Ende der Krise auch wieder starke positive Kräfte freisetzen und eine Gegenrichtung einleiten. Die Zentralregierung lässt verlautbaren, dass sie unverändert an ihren Wachstumszielen für 2020 festhält. Es bleibt in Zukunft spannend zu beobachten, wie nachhaltig die Virusepidemie das Verhalten chinesischer Konsumenten verändert hat. Im Punkt Digitalisierung – das steht bereits fest – hat China definitiv nochmals den Turbo eingelegt. Schon vor der Krise spielte China hier im Grunde in einer eigenen Liga, die für andere Teile der Welt ferne Zukunftsmusik ist. Dieser Abstand hat sich erneut vergrößert.

Über allem haben die letzten Wochen eindrucksvoll belegt, was im Chinageschäft schon seit jeher galt: Auge und Ohr nah am Markt, haben die Unternehmen die größten Aussichten auf Erfolg, die Disruption, Unsicherheit sowie Komplexität nicht verschreckt, und die Agilität und Reaktionsgeschwindigkeit beweisen, um sich in einem stets volatilen Marktumfeld immer wieder neu zu behaupten. at

 

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Coronavirus sorgt für leere Luxusmalls

Egal an welchem Tag der Woche: Luxusmalls in Shanghai bleiben aktuell leergefegt. Konsumenten verlassen ihre eigenen vier Wände nur im Ausnahmefall. Während die meisten Geschäfte zwar geöffnet sind, wurden die Öffnungszeiten gleichwohl stark eingeschränkt. Einige Marken, darunter Apple, Daniel Hechter, ecco, Hästens, LensCrafters, lululemon, Tesla, Ted Baker oder Zwilling, haben Läden vorübergehend geschlossen. Auch die Starbucks Reserve Roastery, die normalerweise um die 8.000 Besucher pro Tag zählt, hat bis auf weiteres ihr Geschäft eingestellt. Malls haben Temperatursensoren installiert und Desinfektionsmatten ausgelegt. Das Tragen von Mundschutzmasken ist zudem Pflicht. at

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Valentinstag in Corona-Quarantäne

Der Valentinstag findet dieses Jahr in China im Zeichen des Coronavirus Covid-19 statt. Zahlreiche Restaurants und Cafés – zumindest in Shanghai – dürfen in ihren Lokalitäten neuerdings keine Gäste mehr bewirten und lediglich Abholung und Lieferung anbieten. Lieferdienste sind in diesen Wochen der umfassenden Isolierungsmaßnahmen das Rückgrat der Nahversorgung. Vor diesem Hintergrund schlägt Aldi China ein selbstgekochtes romantisches Abendessen in den eigenen vier Wänden vor: „Enjoy romance, handpicked for home”. Und Costa Coffee bietet eine besondere Lieferdienst-Promotion für Kaffee und Kuchen an: „No matter how far the distance, love is online”. Vielleicht haben Konsumenten auch Lust auf einen “Lovesterful“ Valentinstag. Red Lobster liefert „Lobster Lover’s Dream“ bis an die Haustür. Über allem bietet der Valentinstag dieses Jahr einen besonderen Moment, um Dankbarkeit zu empfinden, schließlich – Andros bringt es auf den Punkt: „Life might be tough, but everything is sweeter thanks to you.“ at

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