
Einer der bedeutendsten deutschen Flugpioniere
Wulf-Diether Graf zu Castell
Pionier der Lüfte – Die spektakulären Expeditionen rund um die Welt neu entdeckt.
Heute in einem Monat ist es soweit: Am 29. September 2023 kommt der Biographie-Bildband über einen der bedeutendsten Flugpioniere Deutschlands auf den Markt: Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen!
Im Alter von 27 Jahren geht Castells Jugendtraum in Erfüllung. Die Deutsche Lufthansa schickt ihren talentierten Piloten 1933 nach China. Hier soll er bei der chinesisch-deutschen Fluggesellschaft Eurasia Aviation Corporation neue Strecken einrichten, um eine Postverbindung zwischen Deutschland und China herzustellen. Er verlässt das Schloss seiner Eltern im ostbrandenburgischen Seeläsgen und macht sich mit dem Dampfer auf in die weite Welt.
Wagemutig stellt er sich der Herausforderung und fliegt mit Junkers-Flugzeugen über faszinierende Städte, Landstriche und Gebirge, die zum Teil noch nie ein menschliches Auge erspäht hat. Mit einer Leica-Kamera hält der junge Graf seine Eindrücke fest und hinterlässt mit diesen Aufnahmen Raritäten von unermesslichem historischem Wert, darunter die ersten Agfacolor-Farbfotos von China.
Als 1937 der russische Luftraum gesperrt ist und eine Junkers über dem Pamir vermisst wird, übernimmt der Ausnahmepilot eine führende Rolle bei der Suchexpedition. Über dieses Abenteuer, das Technik und Mensch an seine Grenzen brachte, führt Castell Tagebuch (jetzt erstmals veröffentlicht!) und schießt spektakuläre Fotos vom Dach der Welt. Sein Buch „Chinaflug“ wird 1938 zum Kassenschlager.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs ist der zu Pionierleistung berufene Lufthansa-Pilot in Südamerika im Einsatz. Hier lernt er die berühmte österreichische Schauspielerin Luise Ullrich kennen, die er später in Berlin heiratet. Bis zum Kriegsende ist Castell als Zivilflieger in Europa tätig. Er fliegt gefährliche Sondereinsätze und wird 1945 beauftragt, den italienischen Diktator Mussolini in einer Geheimmission ins spanische Exil zu bringen. Bekanntlich ohne Erfolg.
Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches und dem Verlust der Heimat flieht Castell mit seiner Familie nach Bayern. Nie Mitglied in der NSDAP, heuert er bei der amerikanischen Besatzungsmacht am Münchner Flughafen Riem an, berufen, aus den zerbombten Ruinen einen Flughafen von Weltruf zu bauen. Für sein Lebenswerk wird er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Das aufregende Leben fand durch den Sturz von einer Leiter ein tragisches Ende. Die Legende lebt indes fort. Mit seinen Leistungen für die Luftfahrt hat sich Graf zu Castell als einer der bedeutendsten deutschen Flugpioniere in das Buch der Geschichte eingeschrieben.
Eine fesselnde Lektüre, die nicht nur einen tiefen Einblick in den Beginn der kommerziellen Luftfahrt bietet, sondern auch bislang unbekannte Aspekte der deutsch-chinesischen Beziehungen während des frühen 20. Jahrhunderts beleuchtet.
MATTHIAS KAMP, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG






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